Berufspädagogische Gedanken zur Struktur des Teils II der Meisterprüfung als Grundlage für eine mögliche Neustrukturierung

Die im Juli 2011 vorgenommenen Veränderungen der Handwerksordnung (§ 45 Absatz 1 und § 51a Absatz 2 HwO) führten zu zeitnahen Anpassungen sowohl der Meisterprüfungsverfahrensverordnung (MPVerfVO) als auch der Allgemeinen Meisterprüfungsverordnung (AMVO). Bei der Überarbeitung des Teils III der AMVO wurden während der Abstimmungsgespräche zwischen dem Verordnungsgeber (BMWi), den beteiligten Ministerien und den Sozialpartnern Abgrenzungs- und Überschneidungs­prob­leme zum 2010 überarbeiteten und – mit Blick auf die Veränderungen der HwO – bereits abge­stimmten Teil II des Strukturentwurfs thematisiert. Dabei wurde ebenso Unzufriedenheit über die dortige Struktur geäußert. Um die anstehenden Erlassverfahren 2012 nicht zu verzögern, konnte den geäußerten Problemen durch kleinere Anpassungen in Teil II nur teilweise Rechnung getragen wer­den. Mittelfristig ist davon auszugehen, dass eine neue Verordnungsstruktur für den Teil II erar­bei­tet wird. Derzeit gibt es allerdings keine systematische Untersuchung zur Identifizierung und Struktu­rierung von Handlungsfeldern, auf die bei der Überarbeitung zurückgegriffen werden könnte.

Ziel des Projektes, welches vom BMWi beauftragt wurde, ist die Erarbeitung einer wissenschaftlichen Grundlage für die zukünftige Strukturierung und Abgrenzung von Handlungsfeldern in Teil II des Struktur­entwurfs der Meisterprüfung. Dabei soll diese Grundlage Empfehlungen im Hinblick auf ggf. unterschiedliche Strukturierungsmöglichkeiten für verschiedne Typen von Gewerben enthalten.

Ziel des ersten Aufgabenfeldes war es, in Gesprächen mit Prüfungsausschüssen mehr über deren Erfahrungen und (Un-)Zufriedenheiten mit der Umsetzung des Strukturentwurfs bzw. der gewerksspezifischen Meisterverordnung des Teils II zu erfahren. Bei den Gesprächspartnern handelte es sich um Prüfer der Meisterprüfungsverordnung der Handwerke Augen­optik, Elektrotechnik und Zahntechnik. Die gewonnenen Ergebnisse wurden Handwerksgremien, bestehend aus Kammer- und Verbandsvertretern, gespiegelt und Beiträge als Ergänzungen aufge­nommen. Neben Unzufriedenheiten mit den derzeitigen Prüfungsdauer- und Bestehens­rege­lungen, insbesondere der Ausgleichsmöglichkeit mangelhafter Leistungen und der Gleichge­wich­tung der Hand­lungs­felder, wurden die fehlende Abstimmung zwischen bestehenden Rahmen­lehrplan­empfeh­lungen und der Meisterprüfungsverordnung sowie die Auswahl der Handlungsfelder in den Gesprächen hervorgehoben.

Ziel des zweiten Aufgabenfeldes ist nun, anhand einer literaturbasierten Analyse von Arbeits- und Geschäftsprozessen die für den Meister typischen Handlungsfelder aufzuarbeiten. Das zur Analyse der Prozesse verwendete Referenzmodell basiert auf der Idee, dass der Prüfling in den Teilen I und II der Meisterprüfungsverordnung seine Befähigung zur Bewältigung des Alltagsgeschäftes nachweisen soll. Mit Blick auf das Alltagsgeschäft agiert der Meister typischerweise in zweifacher Hinsicht. Zum einen 'agiert der Meister innerhalb des Alltagsgeschäftes', d. h. bei der Organisation und Bearbeitung von Kundenaufträgen. Dazu werden in mindestens drei ausgewählten Gewerken die Geschäftsprozesse, hier verstanden als typische Kundenaufträge, sowie die Unterstützungsprozesse, hier verstanden als Bereitstellung der Infrastruktur sowie Erbringung interner Dienstleistungen, genauer betrachtet. Erste Ergebnisse zeigen bereits hier gewerksspezifische Unterschiede, deren Berücksichtigung Unzufrieden­heiten vermeiden könnten. Zum anderen 'agiert der Meister mit Blick auf das Alltagsgeschäft', d. h. er plant, steuert, bewertet und optimiert dieses Alltagsgeschäft. Hier könnte von sogenannten operativen Managementprozessen gesprochen werden, die im Fokus der Analyse stehen. Im Anschluss an die Analyse sind gerade an dieser Stelle eventuelle Überschneidungen zum Teil III zu vermeiden. Dort geht es zwar auch um Managementprozesse, allerdings eher in strategischer Hinsicht. Anschließend erfolgt eine Validierung der Analyseergebnisse durch Workshops mit Verbänden.

Ansprechpartner: 
Ines Lilienthal
Rolf R. Rehbold
Status: 
Abgeschlossen