Zielgruppengerechte Gestaltung von Web-2.0-Angeboten für Jugendliche für das Handwerk

Aufgrund sich andeutender und teilweise schon spürbarer Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen stellt sich sowohl im Hinblick auf die betriebliche Notwendigkeit der Nachwuchssicherung als auch mit Blick auf die Bedürfnisse der Jugendlichen die Frage nach der Unterstützung durch Maßnahmen der beruflichen Orientierung. In der jüngeren Vergangenheit hat sich hierbei insbesondere auch das Internet als für Jugendliche wichtige Quelle bei der Berufsorientierung herausgestellt.

Entsprechend dieser Ausgangssituation und der Entwicklungen im Bereich Web 2.0 geht es in der hier präsentierten Untersuchung um die Frage, welche Möglichkeiten zur zielgruppengerechten Gestaltung von Web 2.0-Angeboten für die berufliche Orientierung von Jugendlichen existieren und wie insbesondere Handwerksorganisationen und -betriebe ihre Kommunikation gegenüber unterschiedlichen Zielgruppen ausgestalten können.

Damit verbunden sind vier Forschungsfragen, zu denen diese Studie über eine Befragung von insgesamt 512 Schülerinnen und Schülern an Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien im Raum Reutlingen Erkenntnisse liefert:

 1. Welche Internetangebote werden von Jugendlichen favorisiert, die als Zugangskanäle genutzt werden könnten?

Besondere Bedeutung hat das Internet für die Unterhaltung und die Kommunikation zwischen Jugendlichen - insbesondere in Kurztextform. Herausragend sind dabei Facebook und Youtube, wobei Facebook vorherige Marktführer in die Bedeutungslosigkeit verdrängt hat. Festzustellen ist, dass Jugendliche vor allem zu Unterhaltungszwecken Internetangebote konsumieren, aber - abgesehen von den eigenen Facebook-Profilen - wenig selbst zum Internetangebot beitragen. Die Gruppe derjenigen, mit nicht ausschließlich deutschem Sprachhintergrund, nutzt das Internet tendenziell noch stärker für Unterhaltungszwecke und weniger für die Schule.

2. Welche bereits vorhandenen Internetangebote sowie welche Nicht-Internetangebote empfinden Jugendliche als hilfreich für ihren Berufswahlprozess?

Mit geringen Abweichungen in der Reihenfolge lässt sich für alle Schulformen feststellen, dass Praktika, Eltern und das Internet sehr bedeutsam für die berufliche Entwicklung sind. Bei einer Top 5 der als hilfreich empfundenen Ressourcen sehen die Gymnasiasten auch noch den Besuch der Uni/FH sowie die Freunde als hilfreich an, Realschüler betrachten Freunde und den Besuch von Ausbildungsmessen als nützlich und Hauptschüler bewerten Lehrer und Berufsinformationszentren als gute Quellen für Informationen. Schulübergreifend kann festgestellt werden, dass Online-Angebote des Handwerks eher unbekannt sind.

3. Mit welchen Komponenten sollen Berufsorientierungsangebote medial umgesetzt werden?

Auffällig ist für alle Schulformen, dass die Darstellung von Karrierewegen auf Platz 1 rangiert, wenn es um die Wichtigkeit medialer Elemente geht. Ebenso werden Aussagen von Auszubildenden und ausführliche Texte mit Detailinformationen geschätzt. Während bei den befragten Haupt- und Realschülern auch konkrete Ausbildungsangebote gewünscht werden, liegen bei Gymnasiasten in der relativen Wichtigkeit auch interaktive Tests vorne. Videos zu Berufen werden zwar auch als hilfreich eingeschätzt, im Vergleich zu den vorgenannten Elementen aber relativ schwächer.

4. Welche inhaltlichen Anforderungen an Berufsorientierungsangebote können festgestellt werden?

Bei der Betrachtung der fünf wichtigsten Kriterien für die Berufswahl stehen (in unterschiedlicher Rangfolge) bei allen Schulformen Sicherheit, Bezahlung, Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie abwechslungsreiche Tätigkeit auf den oberen Plätzen der Prioritätsskala. Familienvereinbarkeit (Gymnasium und Hauptschule) und Teamarbeit (Realschule) stehen jeweils auf Platz 5. Tendenziell können keine gravierenden geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Bedürfnissen festgestellt werden. Sich in einem Beruf selbstständig machen zu können ist für diejenigen, mit einem nicht ausschließlich deutschen Sprachhintergrund, größer als für Jugendliche mit ausschließlich deutschem Sprachhintergrund.

Ansprechpartner: 
Rolf R. Rehbold
Status: 
Abgeschlossen