Die Energiewende – Chancen, Risiken und Handlungsbedarfe im Handwerk. Ein Handbuch mit Handlungsempfehlungen für Betriebe und Handwerksorganisationen

Die Energiewende steht als Begriff für einen Umbruch in der Klima- und Energiepolitik und wird sowohl auf nationaler wie auch europäischer Ebene die Menschen nach aktuellem Stand bis mindestens 2050 beschäftigen. Vereinfacht ausgedrückt werden mit der Energiewende zwei Ziele verfolgt: Erstens sparsamer oder effizienter mit Energie umzugehen und zweitens bei der Energieerzeugung den Anteil fossiler Brennstoffe zu reduzieren und stattdessen durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Für das Handwerk ist eine Auseinandersetzung mit der Energiewende aus zwei Perspektiven von Bedeutung: Das Handwerk und seine Handwerksbetriebe sind Verbraucher von Energie, aber auch „Umsetzer“, „Gestalter“ und „Vorantreiber“ der Energiewende.

Mit dem Ziel des Gemeinschaftsprojekts, Chancen, Risiken und Handlungsbedarfe aufzuzeigen, sowie der gleichzeitigen Herausforderung, sich mit einem breit gefächerten Themenfeld auseinanderzusetzen, entwickelte sich eine zweiteilige Projektstruktur:

Im ersten Teil wurden unter der Federführung des FBH in einem gemeinsamen D H I-instituteübergreifenden Leitfaden sechs Leitfragen (LF) sowie ihre Antworten formuliert. Dieser informiert somit den interessierten Leser grundlegend über die Energiewende. Zusätzlich erfolgt innerhalb der Fragen ein Verweis auf die Einzelbeiträge der Institute.

Anknüpfend an die allgemeine Frage, was sich hinter der Energiewende verbirgt (Frage 1 im LF), wird das Handwerk fokussiert und die Frage aufgeworfen, was die Energiewende für das Handwerk bedeutet (Frage 2 im LF). Hier wird die These herausgearbeitet, dass das Handwerk und somit seine Betriebe sich immer aus zwei Blickwinkeln mit dem Thema Energie auseinandersetzen müssen: Als Verbraucher von Energie und als „Umsetzer“  und somit als Unternehmen in der Energiewende. Hieraus ergibt sich zum einen die Konsequenz, dass das Handwerk sich der Herausforderung gegenübergestellt sieht, Energie effizient nutzen und hierfür ggf. Investitionen in den Betrieb vornehmen zu müssen (Frage 3 im LF). Zum anderen bietet die Energiewende aus der Unternehmensperspektive verschiedene Geschäfts- bzw. Tätigkeitsfelder, wobei die Entscheidung für eine bestimmte Ausrichtung eine strategische ist (Frage 4 im LF). Insbesondere mit dem betrieblichen Leistungsprofil ist auch die Frage nach den Anforderungen an das Wissen und Können der eigenen Mitarbeiter verbunden (Frage 5 im LF). Zuletzt wird die Frage gestellt, wie eigentlich im Hinblick auf das Thema Energiewende im Handwerk informiert werden kann und wie Interessen im Handwerk vertreten werden. Auch hier wird die Perspektive des Betriebs als Verbraucher ebenso thematisiert wie die des  Unternehmers in der Energiewende (Frage 6 im LF).

In den Einzelbeiträgen im zweiten Teils setzen sich die Forschungsinstitute im D H I unter Berücksichtigung ihres jeweiligen Forschungsschwerpunktes mit einem selbst gewählten Aspekt im weiten Feld der Energiewende vertieft auseinander. Die Titel der Einzelbeiträge lauten (in alphabetischer Reihenfolge der Institute), ihre ausführliche Darstellung erfolgt jeweils in den Tätigkeitsberichten der Institute: 

FBH:

Qualifizierung von Mitarbeitern im Kontext der Energiewende

HPI:

Notwendigkeit und Beispiele für Qualifizierungsmaßnahmen in ausgewählten Gewerken mit besonderem Fokus auf die Elektromobilität

ifh:

Energiekosten, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im Handwerk

itb:

Systematische Dienstleistungsentwicklung – Handwerksunternehmen auf dem Weg zum Dienstleister

LFI (BWL):

Strategische Planung im Kontext der Energiewende

LFI (Recht):

Die EEG-Umlage im Rahmen der Energiewende und ihr Bezug zum Handwerk

 

In seinem Beitrag befasst sich das FBH mit den Fragen, wie sich im Kontext der Energiewende die betrieblichen Arbeitstätigkeiten verändern und inwiefern sich hieraus weitere Qualifizierungsbedarfe für die Mitarbeiter ergeben. Für die Beantwortung dieser Frage bedarf es einer systematischen Auseinandersetzung mit den betrieblichen Qualifikationsanforderungen auf der einen Seite und dem vorhandenen Potenzial (Kompetenzen) der Mitarbeiter andererseits. Das Verfahren der Qualifizierungsbedarfsanalyse ist vermittelt Kenntnisse darüber, wie

  • die sich aus den konkreten Arbeitstätigkeiten ergebenen Qualifikationsbedarfe erfasst,
  • die bestehenden Kompetenzen der Mitarbeiter bestimmt sowie
  • Abweichungen aus dem Abgleich von Qualifikationen und Kompetenzen ermittelt

werden können. Diese Abweichungen sind dann wiederum Ausgangspunkt für die Erarbeitung von weiteren Handlungsschritten.

Die theoretischen Überlegungen finden konkrete Anwendung für die Bau-, Ausbau- und anlagentechnischen Gewerbe. Dabei wurde die Zielgruppe, die an der Umsetzung der Energiewende im Gebäudebereich beteiligt ist, aufgrund vorangegangener Forschungsaktivitäten in den Projekten QUALERGY 2020 (Verweis auf die Tätigkeitsberichte 2012 und 2013) und BUILD UP Skills QUALITRAIN (Verweis auf die Tätigkeitsberichte 2014 und 2015) ausgewählt. Ergänzend finden in dem Beitrag die Arbeitsergebnisse des FBH aus dem letzten D H I-Gemeinschaftsprojekt (vgl. Tätigkeitsbericht 2013) ebenso ihre Berücksichtigung wie die Arbeiten von Buschfeld/Rotthege (2014) zur Ermittlung eines Instruments zur kooperativen Ergebung von Qualifikationsbedarfen im Handwerk (Verweis Tätigkeitsbericht 2013).

Anders ausgedrückt erfolgt der Versuch, die Erkenntnisse vorangegangener Arbeiten aufzugreifen und für die handwerkliche Praxis ein Instrument zu entwickeln, das mit einem geringen zeitlichen Aufwand und ohne methodische Vorkenntnisse die Ermittlung von Qualifizierungsbedarfen in Handwerksbetrieben ermöglicht. Damit werden Handwerksbetriebe zur Auseinandersetzung mit personalwirtschaftlichen Fragen motiviert und bei der Etablierung einer längerfristigen und in Grundzügen strategischen Personalplanung unterstützt.

Das D H I-Gemeinschaftsprojekt „Energiewende“ wurde gemeinschaftlich von den Instituten bearbeitet und vom FBH koordiniert. Die Ergebnisse wurden am 04. Dezember 2015 auf einer wissenschaftlichen Tagung rund 100 Teilnehmern in Frankfurt vorgestellt und diskutiert. Der Leitfaden sowie die Einzelbeiträge der Institute werden unter Herausgeberschaft des FBH im Februar 2016 in einem Sammelband veröffentlicht.

Ansprechpartner: 
Detlef Buschfeld
Katrin Rasch
Rolf R. Rehbold
Status: 
Abgeschlossen